Rüstungsproduktion bei VW–Ausweg oder Sackgasse?

Quelle: Bundesarchiv, Bild 101I-784-0228-29A / Moosmüller / CC-BY-SA 3.0

Als Beschäftigter in der deutschen Automobilindustrie kann man sich aktuell fühlen wie ein Passagier auf der sinkenden Titanic. Aufgrund von zunehmendem Konkurrenzdruck und Renditeerwartungen der Vorstands- und Aktionärsetagen, bangen große Teile der knapp 700.000 Beschäftigten in der Branche vor einem Verlust des einst so sicheren Arbeitsplatzes. Nachdem Volkswagen mit dem 2024 vereinbarten Sparprogramm eine beispiellose Abzocke an den Beschäftigten vormachte, ließen sich auch die Unternehmensspitzen von Daimler, BMW und anderen Herstellern nicht lumpen, ähnliche Programme gegen die Interessen der Belegschaft durchzusetzen.

Während bereits einige zivile Produktionsstätten von Rüstungsunternehmen wie KNDS und Rheinmetall übernommen wurden, will auch der Volkswagen- Vorstand stärker in das Geschäft einsteigen. So wurde erst Anfang September entschieden, dass der VW-Standort in Osnabrück an das Land Niedersachsen und den israelischen Rüstungsinvestor Aurelius Capital verkauft wird, damit dort zukünftig ein „Kompetenzzentrum der Verteidigungsindustrie” entstehe. nter den aktuellen politischen Rahmenbedingungen, der massiven Militarisierung Deutschlands und einem Schwund von über 40.000 Stellen in der Automobilindustrie allein im Jahr 2025 scheint der Umstieg auf militärische Produktion fast wie eine logische Konsequenz. Doch ist die Rüstungsbranche eine nachhaltige Perspektive?

In der “Sicherheits- und Verteidigungsindustrie” arbeiten siebenmal weniger Beschäftigte, sodass schnell klar wird, dass der Schwund an Arbeitsplätzen schlicht nicht aufgefangen werden kann. Stattdessen kommt eine Studie der Uni Mannheim zu dem Schluss, dass Investitionen in zivile Produktion und öffentliche Bereiche einen deutlich größeren Effekt auf die Wirtschaftsentwicklung haben.

So führe jeder investierte Euro in die Rüstungsindustrie lediglich zu 50 Cent erhöhter Wirtschaftsleistung, während es in den Bereichen Bildung, Infrastruktur und Öffentliche Daseinsvorsorge 2 bis 3 Euro seien.

Wenn die Regierung aber stattdessen jedes Jahr steigende Milliarden für die Aufrüstung ausgeben, fehlt dieses Geld in genau diesen Bereichen.

Zudem gilt die Rüstungsindustrie als besonders kritisch, was die Einschränkung vieler unserer wichtigsten Rechte als Lohnabhängige mit sich bringt: Möglichkeiten zur Einschränkung des Streikrechts, Anordnungen zu extremer Arbeitszeitausdehnung, Überwachung der politischen und persönlichen Kontakte oder Zwangsverpflichtungen durch das Arbeitssicherstellungsgesetz. Auch auf unsere persönliche Sicherheit hat so ein Umbau weitreichende Folgen: Als Automobilhersteller ist das Unternehmen auf den stetigen Absatz von Autos angewiesen. Als Produzent von Militärfahrzeugen wird Krieg an sich jedoch zur Notwendigkeit eines nachhaltigen Absatzes.

Statt Milliarden in das Rüstungsgeschäft zu investieren, brauchen wir Investitionen in alternative zivile Produktion wie ÖPNV, um Arbeitsplätze zu sichern. Nach den Vorstellungen des Vorstandes und der Aktionäre sollen wir uns einem tödlichen Risiko aussetzen, während sie ihre Renditeziele Jahr für Jahr nach oben schrauben.

Das müssen wir verhindern und jetzt mit unseren Kolleginnen und Kollegen, aber auch innerhalb unserer IG Metall diskutieren, dass wir alternative zivile Produkte brauchen und der Umbau zu militärischer Produktion eine tödliche Sackgasse ist!