Großangriff auf VW-Beschäftigte

Seit Anfang Juli herrscht Unklarheit über die Pläne des VW-Vorstandes: zu den Gerüchten um die Vernichtung von bis zu 120.000 Arbeitsplätzen und der Schließung von vier Werken kamen Gerüchte über Pläne zum Umbau der Konzernstruktur.

Wollen Anteilseigner und Vorstand das VW-Gesetz unterlaufen? Auf den Sonderbetriebsversammlungen Ende August versuchte der Vorstand die Belegschaften zu beruhigen. Er stellte eine vermeintliche Zukunftsstrategie vor, um eine Woche später doch wieder mit Stellenabbau und Werkschließungen um die Ecke zu kommen.

Klar ist nur eins: Der Vorstand hat das Ziel 8 – 10 % Umsatzrendite und wird dafür alles in Bewegung setzen!

Steht Volkswagen vor dem Ruin?

Die Erzählung von einer „existenzbedrohenden Situation“ hält den Zahlen nicht stand: Selbst 2025 verdiente der Konzern operativ noch 8,9 Milliarden Euro. Das ist deutlich weniger als die 19 bis 23 Milliarden Euro der Spitzenjahre 2019 bis 2024, aber von Existenznot kann keine Rede sein. VW hat ein Renditeproblem, kein Ruinproblem. Und ein Renditeproblem ist nicht das Problem der Beschäftigten, speist sich die Rendite doch genau aus unserer unbezahlten Mehrarbeit.

Wenn trotz Milliardenprofiten Stellenabbau und Werksschließungen gefordert werden, wird sichtbar: In der aktuellen Situation ist nicht die Arbeit unrentabel, sondern die Profitansprüche des Kapitals sind unbefriedigt. Machen wir uns nicht die Ziele des Vorstandes und der Anteilseigner zu eigen, glauben wir nicht die Märchen, die sie uns erzählen!

Vorgezogene Aufsichtsratssitzung

Vor allem mit der Zustimmung zu dem nun über allem stehenden Renditeziel werden alle Appelle zum Zusammenstehen hohl klingen, egal wie dröhnend sie vorgetragen werden. Die Belegschaften der einzelnen Werke werden gegeneinander ausgespielt. Die Chance, bei VW auf Arbeitszeitverkürzung, Innovationsoffensive, eine internationale Politik der Kooperation statt Konfrontation zur Neuöffnung der Märkte, zum Beispiel in Osteuropa, zu setzen, ist jedenfalls erstmal vertan. Sie kann nur aus den Hallen heraus auf die politische Tagesordnung gesetzt werden. Dazu gehört auch, Öffentlichkeit herzustellen – Geheimdiplomatie lähmt den notwendigen Widerstand.

Worum es nun gehen muss

Bei aller Unzufriedenheit sind weder IG Metall noch der Betriebsrat verantwortlich für die aktuelle Situation. Wir müssen uns einbringen und Druck machen, auch auf unsere Leute in den Gremien und der Mitbestimmung. Das Handtuch zu werfen, aus der Gewerkschaft auszutreten und Stimmung zu machen gegen unseren Betriebsrat hilft am Ende nur denen, die nun wieder die Abrissbirne schwingen. Bringen wir uns ein, nutzen wir die Versammlungen, um zu diskutieren. Kommen wir raus aus der Rolle des Hoffens und werden wir aktiv!